Petra Hilbrandt
   

Liebe Menschen kleiner und größer, jünger und älter,

zurzeit ist unser aller Leben in weiten Teilen ganz anders, als wir es gewohnt sind und nicht nur dadurch manchmal ziemlich anstrengend. Wir müssen alle gut aufpassen, dass Freude und Gelassenheit weiter an unserer Seite bleiben und unsere Handlungen tragen.

Gerne schenke ich Euch ein paar Ideen, die vielleicht einen kleinen Beitrag leisten können, Euren (neuen) Alltag zu bereichern. Alle Vorschläge haben mit meiner Leidenschaft für die Gartentherapie zu tun.

Wenn Menschen hören, dass ich Gartentherapeutin bin, fragen sie meistens ganz erstaunt: „Was ist das denn?“. An dieser Stelle soll eine kurze Erklärung reichen (an anderer Stelle rede ich gerne stundenlang darüber …).

Gartentherapie schöpft ihren therapeutischen Nutzen aus den vielfältigen positiven Wirkungen der Natur. Pflanzen- und gartenbezogene Aktivitäten und Erlebnisse werden zielgerichtet eingesetzt, um den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit zu erreichen und sein Wohlbefinden zu erhalten und zu fördern. Gartentherapie eignet sich für jedes Alter, für ganz unterschiedliche Beschwerdebilder und kann gut mit anderen Therapieformen kombiniert werden. Das Schöne an der Gartentherapie ist auch, dass man nicht krank sein muss, um in ihren Genuss zu kommen, denn sie ist richtig gut in der Vorbeugung. Und was in der aktuellen Zeit wichtig ist: man kann mit ihr viel vom Draußen nach Drinnen holen und so von den positiven Effekten profitieren.

In jedem Fall hoffe ich, dass Euch meine Vorschläge an Körper, Geist und Seele erfreuen. Anregungen und Wünsche sind willkommen.

Alles Liebe und gute Gedanken

wünscht Euch von Herzen

Petra Hilbrandt


Kressegärtchen:

Für diesen Vorschlag brauchst du einen Stein, den du gut bemalen kannst. Achte also beim Spazierengehen auf Steine, bei denen du dir vorstellen kannst, dass ihre Form zum Beispiel einem Tier oder einer Blume ähnlichsieht. Trödle ruhig ein wenig herum, dann haben deine Augen genug Zeit zum Schauen. Ich suche zur Sicherheit immer mindestens zwei Steine, damit ich nach dem Anmalen den Schöneren auswählen kann. Schließlich soll der verzierte Stein ein Geschenk für jemanden sein, den du gern magst. Übrigens darfst das auch du selbst sein.

Der Stein wird die Dekoration für ein Mini-Kressegärtchen. Wenn dein Stein (der nun allerdings kein einfacher Stein mehr ist, sondern ein Kunstgegenstand!) getrocknet ist, kannst du das Gärtchen einsäen. Für Kresse habe ich mich entschieden, weil sie ein ziemlicher Tausendsassa für unsere Gesundheit ist. Finde heraus, was alles in diesen winzigen Blättchen drinsteckt. Du wirst staunen!

In eine flache Schale füllst du bis knapp unter den Rand Blumenerde. Jetzt kommt dein Geschenkstein ins Spiel: suche ihm das schönste Plätzchen in diesem kleinen Gärtchen aus. Um ihn herum säst du ziemlich dicht in die ganze Schale Kressesamen. Anschließend gut mit der Hand festdrücken. Beim Angießen bitte gaaaanz vorsichtig sein, damit der Samen nicht „verschwappt“.

Schon nach drei bis fünf Tagen kannst du die kleinen Keimlinge sehen. Bis es soweit ist und danach natürlich auch, brauchen die Pflänzchen deine Aufmerksamkeit, denn sie dürfen weder zu nass noch zu trocken werden. Schau am besten mehrmals am Tag nach, wie es ihnen geht an ihrem weder zu schattigen noch zu sonnigen Plätzchen. Ich habe immer eine Blumensprühe mit abgestandenem Wasser parat, dann kriegen die Vitaminbömbchen keinen Schreck, wenn ich sie befeuchte. Nach ungefähr einer Woche kannst du dein erstes Kressebrot genießen oder einen Salat damit verfeinern. Guten Appetit!

Wenn du alles geerntet hast, kannst du deinem Kunstwerk ein neues Gärtchen schenken.

Memory:

Sicher weißt du bereits, wie Memory gespielt wird: doppelt vorhandene Karten werden zunächst einzeln aufgedeckt. Man versucht sich den Platz der jeweiligen Karten zu merken, damit man in der nächsten Spielrunde das richtige Paar aufdeckt. Nach dem gleichen Prinzip kann man mit kleinen Tontöpfen und Paaren aus Naturmaterial spielen.

Suche auf deinem Spaziergang zu jedem Gegenstand, den du für geeignet hältst, einen Zwilling. Achte auf die Größe, denn schließlich soll später beim Spielen nichts Verräterisches unter dem Töpfchen hervorlugen.

Da die meisten Menschen nicht so viele gleiche Blumentöpfchen haben, siehst du hier eine Anleitung, wie du aus Papier kleine Schachteln falten kannst. Die kannst du genau so gut über die Gegenstände stülpen.

Schneide die gestrichelten Linien mit der Schere ein. Falte alle Kanten einmal vor, schiebe alle Teile passend ineinander und fixiere die zusammengehörigen Seiten vorsichtig mit Kleber.

Schon steht dem Memoryspaß nichts mehr im Weg!


Osteranhänger aus dem Küchenschrank:

Schon immer waren die Menschen froh, dass es Lebensmittel gibt, die sich lange aufbewahren lassen. Damit konnten sie sich über die Monate retten, in denen draußen fast nicht Frisches gewachsen ist. Und ebenfalls schon immer haben sie in ihren Mußestunden geeignete Lebensmittel zu dekorativen Zwecken verwendet. So hingen vor der Erfindung der glänzenden Glaskugeln besonders schöne Äpfelchen und Nüsse am Christbaum.

Nun stehen das Osterfest und freie Tage vor der Tür, deshalb habe ich in unserem Vorratsschrank gestöbert und in getrockneter Form gefunden: Mais, schwarze und weiße Bohnen sowie rote Linsen. Wovon kann bei dir eine kleine Menge entbehrt werden?

Für die Schlaubienchen unter uns könnten sich aus den Funden allerlei Fragen ergeben. Was ist das Besondere an Popcornmais? Warum darf man Bohnen NIEMALS! essen ohne sie vorher zu kochen? Wie sieht die Linsenpflanze aus? …

Hier der Vorschlag für die Osterdekoration aus dem Küchenschrank: Mache dir aus einem Karton eine Schablone in Eiform. Mit ihrer Hilfe kannst du „Eier“ aus Tonkarton in der Farbe deiner Wahl ausschneiden. Mit dem Locher stanzt du in die Spitze ein Loch, um später Schnur oder Geschenkband als Aufhänger durch zu fädeln.

Schütte die trockenen Bohnen, Erbsen etc. in ein Schüsselchen oder auf ein Häufchen. (Nimm nur wenig, denn du hantierst gleich mit Kleber und kannst die Trockenfrüchte deshalb danach nicht in die Vorratsdose zurückschütten!)

Mit dem Kleber „malst“ du nun abschnittweise das Muster, das du dir ausgedacht hast, auf das Zeichenkartonei und beklebst es nach und nach mit den trockenen Früchten. Wenn alles getrocknet ist, kannst du den Aufhänger durch das Loch fädeln und fertig! Herzlichen Glückwunsch!

Falls doch recht viele Bohnen und Co übergeblieben sind, kannst du sie in eine Schüssel schütten und hast ein wunderbares Handmassagebad, in dem du deine Finger entspannen kannst, nachdem du zum Beispiel einen langen Aufsatz oder ganz viele Einmaleinsreihen geschrieben hast. Genieße es zu spüren, wie deine Finger durch die Berührung mit den Bohnen wieder gefühlvoll und geschmeidig werden.


Viele Farben - GRÜN:

Sammle auf deinem Spaziergang in einem Körbchen oder Eimerchen möglichst unterschiedliche Blätter, die eine Gemeinsamkeit haben: die grüne Farbe. Schon beim Sammeln wirst du feststellen, dass jedes Grün mal mehr, mal weniger anders ist.

Zu Hause angekommen, versuchst du die verschiedenen Grüns in eine Reihenfolge zu bringen. Zum Beispiel von hell zu dunkel. Gar nicht immer eindeutig und einfach. Wenn du mit deiner Abfolge zufrieden bist, schneide ein Stück Karton so zurecht, dass deine Blätterreihe Platz darauf findet. Dann klebst du einen Streifen doppelseitiges Klebeband der Länge nach in die Mitte des Kartonstreifens. Zieh den Schutzstreifen ab und lege deine Blätter eins nach dem anderen vorsichtig auf den Klebestreifen und drücke sie ebenso vorsichtig fest. Wie gefällt dir dein Werk?

Die Farbe Grün wirkt auf viele Menschen beruhigend und sie verspüren mehr Gelassenheit. Du kannst ja mal nachfühlen, ob das bei dir genau so ist. Hier siehst du noch zwei Beispiele für andere Farben. Für welche Gefühle mögen sie wohl stehen? Vielleicht hast du Lust, selbst Farbreihen mit Gegenständen aus deinem Zuhause zusammenzustellen. Du wirst merken, dass schon das Suchen Spaß machen kann.

VIELE FARBEN - ROT:


VIELE FARBEN - BLAU:



LIEBE GRÜSSE:

Viele Menschen, die wir liebhaben, können wir derzeit nicht wie gewohnt besuchen. Mit einer liebevoll gestalteten Karte können wir ihnen wenigstens einen persönlichen Gruß schicken und ihnen so zeigen, dass wir an sie denken.

Hier kommt ein Vorschlag, wie du so eine Karte machen könntest:

Nimm auf dem Spaziergang ein Körbchen oder Eimerchen mit. Auf dem Hinweg halte aufmerksam Ausschau nach Pflanzen, die blühen oder zarte Triebspitzen haben. Merk dir die Stellen, denn pflücken sollst du sie erst auf dem Rückweg, damit sie möglichst frisch sind, wenn du zuhause ankommst.

Auf dem Rückweg konzentriere dich gut, damit dir die verschiedenen Sammelstellen wieder einfallen. Ich drück dir die Daumen, dass es dir dabei besser geht als den Eichhörnchen, die im Herbst so flink so viele Nüsse an so vielen Plätzen verstecken, dass sie die meisten den Winter über vergessen. Wenn du auf Nummer-ganz-sicher gehen willst, kannst du dir eine Art Schatzkarte zeichnen, auf der du die Findeplätze markierst.

Wenn du pflückst, möchte ich dich bitten, an Folgendes zu denken: die Pflanze braucht noch genügend Blätter zum Wachsen und es müssen genügend Pflanzen für die Tiere überbleiben, die davon leben.

Zurück zu Hause, musst du dich zügig ans Pressen deiner Pflanzenschätze machen, denn sie dürfen nicht welken. Lege die einzelnen Blüten und Blätter vorsichtig auf saugfähiges Papier, zum Abdecken nimmst du ebenfalls saugfähiges Papier. Am besten funktioniert das Pressen in einer -wie der Name schon sagt- Blumenpresse. Wenn du keine hast, kannst du dir gut mit dicken, schweren Büchern behelfen. Obendrauf befestige ich immer einen Klebezettel mit dem jeweiligen Datum. Dann weiß ich, wann meine Blumen ungefähr weiterverarbeitet werden können. Normalerweise ist es nach einer guten Woche so weit.

Beim Hantieren mit den gepressten Blumen musst du sehr sorgsam sein. Stell dir vor, du bist wie eine sanfte Feder. Damit den zarten Blümchen nichts passiert, richtest du deinen  Arbeitsplatz vorher ein. Du überlegst, welches Papier du zu Karten falten möchtest, stellst Standardutensilien wie Schere, Kleber und Stifte bereit. Lass dich von Inhalt deiner Bastelschublade inspirieren. Nicht alles, was du vorher aussuchst, wirst du nachher verwenden. Aber eine gewisse Auswahl kann deinen Ideen beim Sprießen helfen und du kannst ausprobieren, was zur jeweiligen Blume passt.

Vielleicht bist du ein Mensch, dem es guttut, wenn bei einer kreativen Tätigkeit angenehme Musik läuft. Auch die solltest du dir schon vorher aussuchen.

Lass nun deiner Phantasie ihren Lauf und freue dich über die ganz persönlichen Grüße, die du mit deiner Karte einem lieben Menschen schicken kannst.


Forscherjournal:

ForscherInnen sind geduldige BeobachterInnen. Unter anderem auf diese Weise entdecken sie nach und nach Zusammenhänge. Damit sie nichts vergessen und auch, damit sie mit anderen Menschen ihr Wissen teilen können, schreiben und zeichnen sie alles auf. Dabei ist es nicht nur wichtig, genau zu beobachten. Es ist auch wichtig, genau zu beschreiben. Wie ist zum Beispiel der Wind? Streichelt er sanft über das Gras oder schüttelt er selbst große Bäume heftig hin und her? Was macht der Regen? Senkt er sich wie ein feiner Sprühnebel auf meine Haut oder prasselt er so stark auf den Weg, dass sich große Blasen bilden? Wie sieht der Schnabel des Vogels aus? Was für Besonderheiten hat die Rinde des Baumes? Wer nicht ganz so gerne schreibt, kann auch malen oder eine Skizze machen. So oder so gibt es Fragen über Fragen, mit denen man von der häuslichen Forschungsstation aus reichlich zu tun hat.

Wenn du dir eine Forschungsstation auf Fensterbank oder Balkon einrichtest, ist es praktisch, wenn die wichtigsten Utensilien immer parat sind. Als Forscherjournal, in dem alles eingetragen und aufgezeichnet wird, habe ich selbst am liebsten als lose Blätter, die mit einem Heftstreifen zusammengehalten werden. So kann ich bei Bedarf die Blätter austauschen. Mein Mann hingegen schwört auf feste „Kladden“. Du siehst, das ist Geschmackssache. Überlege, wie du dein Journal gerne hättest und probiere es einfach aus. Nach und nach kannst du es nach deinen Wünschen und Bedürfnissen gestalten. Nicht fehlen dürfen auf der Station Stifte, Radiergummi und Spitzer. Bestimmungshilfen in Reichweite sind angenehm, ein Fernglas holt dir das Ferne direkt vor die Linse und ein Außenthermometer ist auch nicht verkehrt.

Zur besseren Vergleichbarkeit der Daten, die du durch deine Beobachtungen gewinnst (und zur Strukturierung des Tagesablaufs) solltest du deine Forschungsstation -wenn möglich- immer zur annähernd gleichen Zeit aufsuchen. Zunächst kannst du zum Beispiel Datum, Uhrzeit und Außentemperatur notieren, dann sind die Wetterbeobachtungen an der Reihe. Nach diesen Basisinformationen widmest du dich der Tier- und Pflanzenwelt. Liefern sich die Amseln auch heute wieder wilde Revierkämpfe? Sind die Knospen meines Lieblingsbaumes schon etwas praller geworden?

Durch regelmäßige Beobachtung kann man zu erstaunlichen Erkenntnissen gelangen. Im Sommer vor drei Jahren habe ich zum Beispiel gelernt, dass Hornissen überaus pünktliche Zeitgenossen sind. Täglich um nahezu genau 14:30 Uhr hat sich eine Hornissenkönigin mit eindrucksvollem Gebrumm vom Westen unserer Terrasse genähert und ist, unter gänzlicher Missachtung meiner Person, elegant in südöstlicher Richtung sehr geschäftig weitergeflogen. Ich habe nachgelesen und in der Tat ist Pünktlichkeit eine besondere Eigenschaft von Hornissen.

Natürlich dürfen in ein Forscherjournal nicht nur „harte“ Fakten in Wort und Bild Eingang finden. Interessen können vertieft, Pläne geschmiedet und Geschichten geschrieben werden. Schließlich haben ForscherInnen ganz individuelle Schwerpunkte.

Schlaubienchen, macht euch an den Start!


alle Tipps wurden sorgfältig entwickelt und praktisch erprobt.
Eine Haftung für etwaige Folgen der Anleitungen kann jedoch nicht übernommen werden.